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    <title>mahrenbrand.at: Texte</title>
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    <dc:creator>chronistin@wortwerkstatt.at</dc:creator>
    <dc:rights>Copyright 2008</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-23T21:24:00+00:00</dc:date>
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      <title>Lucas Mahrenbrand: Werkrechte</title>
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      <description>Die Urheber&#45; und Werknutzungsrechte am Gesamtwerk des Malers &amp;amp; Grafikers Lucas Mahrenbrand befinden sich im Besitz seines Sohnes Dr. Lucas&#45;Michael Kopecky, der auch für die Texte dieser Homepage verantwortlich zeichnet.

Lediglich für die beiden Tusche&#45;Grafiken &#8220;Don Quichote&#8221; (1963) und &#8220;Wanderung&#8221; (o.J.) liegen die Werknutzungsrechte bei der Republik Österreich, die diese Rechte im Rahmen der anno 1972 und 1973 vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst getätigten Ankäufe vertraglich explizit erworben hat.

Anfragen bezüglich der Teilnahme an Ausstellungen oder der Nutzung von Bildmaterial bitte über das Kontaktformular.</description>
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      <dc:date>2008-04-23T21:24:00+00:00</dc:date>
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      <title>M. Zittrauer, Gastein Aktuell, 5.2.1972</title>
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      <description>&#8220;Kunstausstellung Austria Kongreßzentrum

In Badgastein findet im Ausstellungsraum des Austria&#45;Kongreßzentrums vom 13. Februar bis inkl. 5. März 1972 eine Ausstellung des Holzbildhauers Sepp Viehauser,Bad Hofgastein und des Wiener Graphikers Lucas Mahrenbrand, statt.

Graphiker Lucas Mahrenbrands Arbeiten basieren darauf, konkrete Empfindungen von jeglichen Erinnerungsbildern zu lösen und dann bildlich Ausdruck zu verleihen. Bilder, die durchaus noch erkennbar und deutbar sind und von den durch die Augen aufgenommenen Bildern sich lediglich durch ihre irrationale Zusammenstellung unterscheiden.

Es sind ja die Charakteristika unserer Zeit, daß ein endloser Austausch zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit, zwischen Bild und Vorstellung, eine unendliche Skala von Formen bis zur Auflösung der Form sich erstreckt.

Dabei darf Mahrenbrands Schaffen keine einheitliche künstlerische Absicht unterlegt werden. Eine solche Einheitlichkeit wird von ihm auch gar nicht angestrebt. In den Jahren seines Wirkens hat er in den verschiedenen Richtungen experimentiert und scheut sich keinesfalls, soweit es ihm für einzelne Motive zusagt, die rein dingliche Darstellung zu benützen. Den heutzutage so angebeteten Stil ( ! ) findet er als Art Gefängnis, da die Grundprobleme und Ausdrucksmöglichkeiten des Bildnerischen nicht in einem bestimmten Stil gebunden sind. Er sagt, die einzigen Stile, die ihm zusagen, sind seine Pinselstile! Das Gerüst des reinen Weiß als tragendes Element, sozusagen die Hieroglyphen in Weiß, faßt er derzeit in einem Zyklus zusammen, von dem ein Teil in dieser Ausstellung repräsentiert wird.

Werke, die in der Linienführung und figuralen Gestaltung von einer zwingenden Aussage beherrscht sind.&#8221;</description>
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      <dc:date>2008-04-23T21:23:01+00:00</dc:date>
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      <title>Anton Bialowitz, Kunstkritiker, Köln:</title>
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      <description>&#8220;Rund 6o Tusche&#45; und 30 Kohlearbeiten haben im Haus Austria Aufnahme gefunden. Hier stellt sich ein Katalog von oeuvres vor, der ob der Qualität Aufsehen erregt.

Schon die Mappe der Kohlezeichnungen &#8220;Wanderungen durch die österreichische Landschaft&#8221; läßt die Kongenialität ahnen. Charme und Leichtigkeit werden in jedem Motiv eingefangen. Ein Anhauch von Tristesse, dem Material Kohle ansonsten zu eigen, drängt sich nicht auf.

Doch Ausgangspunkt zu der Beurteilung von Mahrenbrand sind dessen Tuschebilder, und hier im besonderen die mehrfarbigen. Diese Skala von Themen vielfältiger Art ist geradezu verwirrend und doch einmalig in der Artikulierung. Unwillkürlich wird man an die japanischen Meister erinnert, weniger der Verwandtschaft wegen, vielmehr vom Formalen her.

Jene sind zwar optisch für den Betrachter geläufig, jedoch von der Aussage und der Technik her nur mit dem für Nicht&#45;Ostasiaten schwer verständlichen Zen&#45;Buddhismus definierbar. Gleichwohl finden wir bei den Tuschen von Mahrenbrand eine Parallele zu den Meistern Nippons. Alle seine Kompositionen sind in der Anlage von Strich, Linie und Fläche gleich jenen bestechend einfach, immanent abgerundet, wobei die Farbnuancen den Effekt steigern. Berauscht so die Ästhetik von der Form her, so fasziniert das Thema in seiner geistigen Ausstrahlung nicht minder.

Das Blatt &#8220;Symptom&#8221; z.B. manifestiert dies überragend. In der unteren Bildhälfte tummelt sich Seegetier, wie in Urform verloren. In der oberen liegt im Kreise, v. Tangenten allseitig umgeben eine höhere mathematische Formel: Werden, Gegenwart und Zukunft des Seins, das Grundthema des homo sapiens ansprechend. Der &#8220;Kopf&#8221; läßt konturenreich (absichtslos) die Gesichtszüge von Gauguin erahnen, &#8220;Jugend&#8221; zeigt ein Antlitz in Unruhe, ja Verwirrung, vielleicht ob der Abwendung vom &#45; angedeuteten &#45; Elternhaus. &#8220;Ich und mein Vogel&#8221; und &#8220;Paralogische Venus&#8221; zeichnen sich im besonderen durch feinen Humor aus.

Arbeiten jüngeren Datums zeigen als neues Element inmitten der bisherigen Form&#45; und Farbgebung ein Weiß, figuren&#45; oder schemenhaft herausgearbeitet. Der besondere Reiz resultiert nicht etwa aus Anwendung weißer Farbe, sondern aus der Aussparung bzw. Unterbrechung an den entsprechenden Bildstellen.

Bedurfte es des Abstechers nach Badgastein, um diesen Mahrenbrand herauszustellen? Der Rezensent kann sich nicht erinnern, solche Pretiosen an Tuschen in den Museen oder Galerien begegnet zu sein. Ohne Zweifel gehört Mahrenbrand auf diesem Sektor zu den Großen des Kontinents, dem weltweite Resonanz nicht versagt bleiben wird.

In der&#45; gleichen Ausstellung stellt sich der aus Hofgastein stammende Bildhauer Josef Viehauser (1940) mit einigen Holzplastiken und &#45;reliefs vor. Die vielfach religiösen Bereichen entlehnten Themen lassen eine manuelle Begabung erkennen, die bereits zum Sprung ins Geistige ansetzt. Sein &#8220;Paulus&#8221; mit den aus weiter Gewandung hervorspringenden Händen, dem vorpreschenden Kopf, gibt sich aggressiv. Von gleicher Prägung ist das &#8220;Ärgernis&#8221; gestaltet, während die &#8220;Welt 70&#8221; den weiten Bogen zwischen Schöpfung und Gegenwart, zwischen Gut und Böse umspannt.

Bleibt noch zu erwähnen, daß sich die Förderung der Ausstellung angelegentlich sein ließen: Bundesministerium für Unterricht und Kunst Salzburger Landesregierung Kurkommission Badgastein&#8221;

17. Feber 1972</description>
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      <dc:date>2008-04-23T21:22:00+00:00</dc:date>
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      <title>Grabrede des Sohnes (30. März 1994, Döblinger Friedhof, Wien)</title>
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      <description>&#8220;Wir haben uns hier versammelt, um von dem Maler und Grafiker Lucas Mahrenbrand Abschied zu nehmen.

Für einige von Euch mag es &#45; aufgrund eures religiösen Glaubens &#45; ein Abschied auf Zeit sein, für die anderen ein Abschied für immer. Lucas Mahrenbrand zählte zu den anderen.

Ihn hat sein unbeirrbares Denken zu der Überzeugung gelangen lassen, daß der Mensch aus dem Nichts kommt und sich auf einer &#8220;Wanderung&#8221; ins Nichts befindert, daß er nur ein kurz aufflackernder Funke ist; ein Funke, der so willkürlich, wie er entflammt, auch wieder verglüht. So wie eines Tages auch die Erde verglühen wird.

Dieser Prozeß menschlichen Aufleuchtens und Vergehens war für ihn lediglich eine winzige geophysikalische Reaktion und kein Ausdruck eines göttlichen Willens. Seiner Auffassung nach wäre es auch eine Gottheit von der traurigen Gestalt gewesen, die solch eine schöpferische Unfähigkeit zu verantworten gehabt hätte.

Das menschliche Bestreben, aus den einzelnen Funken eine ewige Flamme zu konstruieren, das Klammern an den Gedanken eines Lebens nach dem Tode, war für ihn lediglich Ausdruck menschlicher Unfähigkeit, sich die Banalität des eigenen Seins einzugestehen.

Für ihn war die religiöse Transzendierung des menschlichen Selbst, also die Vorstellung von einem Leben nach dem Tode, lediglich ein Mechanismus der den Menschen hilft jene Angst und Verzweiflung auszuhalten, die sie vor dem Abgrund ihrer eigenen mangelnden Sinnhaftigkeit erfassen muß. Menschen, die weder intellektuell, noch von ihrer Persönlichkeitsstruktur her in der Lage sind, ihre universelle Nichtigkeit einzusehen und diese Erkenntnis vor allem auch auszuhalten.

Nun, er hat das ausgehalten! Als bildender Künstler war er aber auch in einer privilegierten Situation. Als solcher hat er ein Lebenswerk geschaffen, von dem bereits zu seinen Lebzeiten klar war, daß es ihn und viele weitere Generationen überleben würde. Dessen war er sich völlig bewußt.

Kulturelle Leistungen waren wohl auch die einzige Vorstellung von Unsterblichkeit, die er je uneingeschränkt akzeptiert hat: ein Überdauern vergänglicher menschlicher Körperlichkeit und gesellschaftlicher Moden und Geschicke, das lediglich in der eigenen originären und daher unverwechselbaren Leistung begründet liegt.

Seine geistige und künstlerische Originalität war seine überragende persönliche Leistung. Doch auch die hat ihre historische Wurzel:

Das zentrale und alles prägende Ereignis seines Lebens war wohl der Sturz über die Kellertreppe, der ihn im Alter von 6 Jahren das Gehör kostete. In die Welt dieses nunmehr fast völlig tauben Kindes haben nur mehr einige wenige &#45; zumeist laut gebrüllte &#45; Worte via Hörrohr Eingang gefunden.

Eine Schulbildung hat er daher auch so gut wie nicht genossen. Sein gesamtes Wissen sowie alle seine künstlerischen Fertigkeiten hat er sich im Laufe der Jahre als Autodidakt und vorwiegend visuell aneignen müssen. Eine diskursive Feinabstimmung mit den gängigen Meinungen und Moden war damals so gut wie nicht möglich.

Seine Taubheit hatte ihm eine Einsamkeit auferlegt, die er mit einem ungemein lebendigen inneren Dialog bewältigte. Ein Dialog, der sich der Umwelt gegenüber zum einen in Form des künstlerischen Werkes und zum anderen in absolut eigenständigen intellektuellen Positionen offenbarte.

Seine Einsamkeit und die darin aufgebaute geistige Welt, hat nicht nur seine Urteilsfähigkeit geschärft, sondern seine gesamte Persönlichkeit bestimmt. Seine innere Unabhängigkeit hat ihn so stark gemacht, daß er stets gewillt war, jedem und allem zu trotzen. Er hat bis zuletzt eher sein Leben aufs Spiel gesetzt als sich zu beugen. Es war so gut wie unmöglich, ihm den eigenen Willen aufzuzwingen.

Wenige Wochen vor seinem Ableben noch sagte er wörtlich:

&#8220;Wenn ich heute mein Leben Revue passieren lasse, dann kann ich mich eigentlich nicht beklagen. Ich bin zwar alt, krank und schwach geworden, aber ich habe in meinem Leben nie einen Herrn gehabt. Weder in der Familie, noch in der Politik, noch in der Wirtschaft und schon gar nicht in der Kunst.&#8221;

Lucas Mahrenbrand war ein kritischer Geist auf der Basis bürgerlicher Werte. Sagen wir: ein bürgerlicher Intellektueller. Er war der Kritiker des Bürgertums seiner Zeit. Eines Bürgertums, das er bis ins hohe Alter als kulturlos und lediglich geldgierig verabscheute, welches ihn aber nichts desto trotz in seinem Selbstwertgefühl und seinem sozialen Handeln nachhaltig geprägt hat.

In der Monarchie geboren, hat dieser Mann mehrere Gesellschaftssysteme erlebt und letztlich kritisch reflektiert. Seine Kunst diente ihm jedoch nur selten als Medium für Gesellschaftskritik. Sie war einerseits Ventil seiner aufgestauten und kaum kommunizierbaren Gefühlswelt und brachte andererseits seine Reflexionen über philosophische Grundfragen zum Ausdruck.

Zum künstlerischen Abbau seiner emotionalen Spannungen bediente er sich zumeist der Kohle und der selbst hergestellten Pastellkreiden, die ihm die spontane Umsetzung seiner Stimmungen ermöglichten.

Um seine geistigen Erkenntnisse künstlerisch adäquat umsetzen zu können, hat er sich in seiner letzten Schaffensperiode einer abstrakt&#45;symbolistischen Malweise zugewandt. Dazu entwickelte er einen völlig originären Malstil, der auf der ungewöhnlichen Materialkombination von Japantusche und Kunststoff&#45;Folienkarton basierte und eine völlig neue Form einer Ausspartechnik ermöglichte. Er nannte diesen Stil &#8220;Weiße Hieroglyphen&#8221; und ihr Charakteristikum ist, daß das reine Weiß als tragendes graphisches Element zum Einsatz kommt. Diese eigene und unverwechselbare künstlerische Ausdrucksform erforderte ein der Thematik und der zunehmend rationalen Abgeklärtheit des Künstlers entsprechendes hohes Maß an geistiger Konzeptionstätigkeit und Vorausplanung.

Auf die Anteile von Emotionalität und Rationalität in seiner künstlerischen Arbeit angesprochen, meinte er anno 1990:

&#8220;Über das diesbezügliche Verhältnis bin ich mir bei meiner Person nicht im Klaren. Ich bin kein Tiefenpsychologe. Ich weiß nur, daß ich habe malen müssen, daß es aus mir herausgebrochen ist. Es war mein Ventil, das verhindert hat, daß die Maschine explodiert.&#8221;

So stark auch der Dampfkessel seiner emotionalen Spannungen früher gebrodelt hat, so sehr hat ihn das Alter zu einer geistigen als auch emotionalen Abgeklärtheit und zu kühler, rationaler Distanz geführt.

Der Maler &amp;amp; Grafiker Lucas Mahrenbrand war ein Monolith an Persönlichkeit &#45; in jeder Hinsicht originär. Ein Mensch, der jegliches Wischiwaschi verabscheute und der in nahezu allem seinem Denken und Handeln stets immer unverkennbar er selbst war.

In unseren Köpfen bleibt er jedem von uns solange erhalten, bis uns unsere eigene Vergänglichkeit eingeholt hat. Mit unseren Erzählungen und Überlieferungen wird er darüber hinaus vielleicht noch mehreren Generationen im Gedächtnis bleiben. Mit seinem künstlerischen Gesamtwerk hingegen wird er die Zeiten überdauern und jene beeindruckende Präsenz erlangen, mit der er zu Lebzeiten nur im engsten Kreise bestechen konnte.

Er war nicht &#45; Er wurde &#45; Er ist nicht mehr.&#8221;</description>
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      <dc:date>2008-04-23T20:36:54+00:00</dc:date>
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      <title>Lucas Mahrenbrand, Maler (1911&#45;1994)</title>
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      <description>Geboren am 17. Juli 1911 in Wien&#45;Margareten, Sonne im Krebs mit Aszendent Skorpion; Aus Vernunft im Brotberuf Kaufmann. Aus innerer Notwendigkeit heraus Maler und Grafiker. Die beruflich&#45;existentielle Absicherung als Papiergroßhändler garantierte eine von gängigen Moden unabhängige künstlerische Entwicklung.

Die war entscheidend geprägt von einem Sturz über die Kellertreppe im 6. Lebenjahr: sie führte zu fast völliger Taubheit. Verständigung mit der Umwelt konnte nur lautstark ins Hörrohr und vom Betroffenen lippenlesend erfolgen. Eine schulische Ausbildung war in den 20&#45;er Jahren des vergangenen
Jahrhunderts unter diesen Bedingungen kaum möglich.

Autodidaktik war deshalb das Gebot der Zeit. Die bildnerische Umsetzung der kaum kommunizierbaren geistigen und seelischen Vorgänge ein innerer Zwang. Der stets außen Stehende entwickelte sich zum präzisen Beobachter. Die Intensität dieses Schauens diente der Vermessung und Vertiefung der äußeren und inneren Bilder. Sie zu Papier zu bringen war der notwendige Befreiungsakt. Er erfolgte oft eruptiv und schuf Platz für neue Bilder.

Diese von Kokoschka aus Einsicht propagierte und von Mahrenbrand aus der Taubheit heraus entwickelte &#8220;Schule des Sehens&#8221; reduzierte den reinen Malprozeß auf den zeitlich kürzesten Teil des Schaffensprozesses. Die Bilder waren vor Beginn des Malaktes fertig im Kopf. Radiergummis gehörten nicht zur Grundausstattung an Malutensilien. Ab den Fünfziger Jahren ergänzten denn auch Kugelschreiber, Filzstifte und vor allem Tusche die ansonsten präferierten Materialien wie Kohle, Bister und Pastellkreiden, die der Maler im übrigen selbst herstellte.

Diese Fertigkeiten erwarb er im Selbststudium. Ende der Dreißiger Jahre frequentierte er zudem zeitweise als Privatschüler die Ateliers von Wawra, Lerch und Habermann. Parallel dazu eignete er sich aus unzähligen Büchern jenes umfangreiche künstlerische, historische und philosophische Wissen an, welches ihn lebenslang auszeichnete.

Die Anziehungskraft des Dunklen, die aus der schreienden Stille des Gesehenen und der Tiefe ansonsten kaum kommunizierbarer innerer Gefühlsprozesse resultierte, fand ihren matrerialmäßigen Ausdruck in der Anwendung von Kohle, Bister und Pastellkreiden, die einen eruptiven Malstil unterstützten. 

Ausgestattet mit einem modernen Hörapparat führte die künstlerische Entwicklung in den Sechziger Jahren zur Abstraktion. Diese erfolgte nicht mehr eruptiv, sondern wohl durchdacht und fand ihren Ausdruck in anderen Materialien (Japantusche auf Folienkarton) und Techniken (Ausspartechnik). Um ein möglichst reines Weiß als graphisches sowie als zeichnerisches Element in zumeist farbiger Tuschemalerei zu erhalten, entwickelte Lucas Mahrenbrand auf der Grundlage präparierter Folienkartons einen neuen Malstil. Die ausgesparten grafischen Zeichen erzählen in der weißen Farbe der Folie die Geschichte. Sie sind von hoher symbolischer Ausdruckskraft und sie gilt es zu entschlüsseln. Der Künstler nannte diesen originären Malstil deshalb &#8220;Weiße Hieroglyphen&#8221;.

In den späten Sechziger Jahren wurde das Oevre durch die Teilnahme an Ausstellungen präsentiert:



1966WienGalerie auf der Stubenbastei

1968Düsseldorf1. Internationale Kunstausstellung &#8220;Interfauna&#8221;

1970KremsKünstlerhaus &#45; Stadtpark

1971Bad&amp;nbsp;HofgasteinGroßausstellung zusammen mit dem Bildhauer Sepp Viehauser; Ehrenschutz: Dr. Alois Mock

1972BadgasteinGroßausstellung zusammen mit dem Bildhauer Sepp Viehauser im Austria&#45;Kongreßzentrum

1973WienKünstlerhaus, &#8220;Der Mensch und die Stadt&#8221;


Anfang der Siebziger Jahre beendeten Gefäßerkrankungen in beiden Beinen und zwei von insgesamt vier Lungeninfarkten die geplanten weiteren Ausstellungsaktivitäten. Frühpensionierung und Bettlägrigkeit mit extrem eingeschränkter Mobilität kennzeichneten die nachfolgenden zwei Jahrzehnte. Geistige Frische und Brillianz prägten diese Zeit bis zum Ableben des Malers &amp;amp; Grafikers Lucas Mahrenbrand am 24. März 1994.</description>
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      <dc:date>2008-04-23T20:17:02+00:00</dc:date>
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